Headrush Looperboard - Erfahrungsbericht

Featurereicher Luxus-Looper mit Touchscreen

Mit dem Looperboard hat der erst vor wenigen Jahren gegründete Hersteller Headrush sein bereits drittes Profi-Floorboard präsentiert. Das Unternehmen gehört zum inMusic-Konzern, der wohl den meisten durch seine Marken M-Audio, Akai, Alesis und Denon bekannt sein dürfte. Das Looperboard ist eine Loop Station, die zu einem stolzen Preis von über 800 Euro eine schier gigantische Auswahl an durchdachten Features bietet. Lohnt es sich, so viel Geld für einen Looper auszugeben, wenn es für deutlich weniger Geld auch andere Profi-Looper zu kaufen gibt? Das erörtern wir in unserem heutigen Erfahrungsbericht.

Funktionsumfang und technische Daten

Das Looperboard von Headrush ist mit seinen Maßen von 51,2 x 31,1 x 7,6 cm und einem Gewicht von rund 5,5 Kilogramm weder klein noch sonderlich leicht. Das verwundert aber auch nicht angesichts der vielen Features, die Headrush seinem Gerät spendiert hat. So bietet das Looperboard einen großzügigen 7-Zoll-Touchscreen und gleich zwölf Fußtaster mit farbigen LEDs. Die Signalverarbeitung erfolgt mit 24 Bit und ein Vierkernprozessor gibt dem Gerät eine ganze Menge Rechenpower.

Mit dem Looperboard kannst du ganze neun Stunden Audio aufzeichnen. Jeder Loop kann dabei bis zu vier Tracks haben, die sich sowohl gleichzeitig über die vier Inputs aufnehmen lassen als auch einzeln nacheinander. Die Loops können beliebig lang sein und jeder Track aus bis zu 99 Layern bestehen. Jeder Track lässt sich über dedizierte Fußtaster auf der Oberseite des Geräts bedienen.

Das Looperboard kann übrigens nicht nur für die Aufnahme von Gitarren verwendet werden. Auch Keyboards, Drums und Vocals unterstützt das Gerät von Headrush mit eigenen Einstellungsmöglichkeiten und Effekten. Effekte? Richtig gelesen, das Looperboard ist kein reiner Looper, sondern bietet auch zahlreiche Effekte an, mit denen der Sound an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann. Für Gitarristen gibt es hier beispielsweise eine siebengliedrige Effektkette mit Overdrive, Delay, Wah und mehr.

Anschlüsse und Erweiterbarkeit

Das Looperboard hat eine breite Auswahl an Ein- und Ausgängen. Bei den Eingängen gibt es neben einem Aux-Eingang im Format kleine Klinke vier eher ungewöhnlich anmutende Inputs. Hierbei handelt es sich um vier XLR-Anschlüsse, die jeweils im Zentrum auch noch einen großen Klinkenanschluss aufweisen. So gesehen gibt es bei dem Gerät also neben dem Aux-Eingang acht Audio-Eingänge, von denen sich aufgrund des Designs aber nur vier gleichzeitig verwenden lassen.

In Sachen Ausgängen finden sich beim Looperboard zwei XLR-Anschlüsse, die zusammen als Stereoausgänge oder einzeln als Monoausgänge verwendbar sind. Gleiches gilt auch für die beiden großen Klinkenbuchsen daneben, die auch für Stereo oder Mono verwendet werden können. Ansonsten bietet die Loop Station von Headrush noch einen Kopfhörerausgang im Format große Klinke.

Neben den klassischen Ein- und Ausgängen hat das Looperboard einen MIDI-Eingang und einen MIDI-Ausgang, der auch als Throughput-Anschluss benutzt werden kann. Gleich über den MIDI-Anschlüssen befindet sich ein SD-Kartenslot, über den sich der Speicher des Geräts im Prinzip endlos erweitern lässt. Das geht nicht nur über SD-Karten, sondern auch per USB-Stick oder -Festplatte, wofür zwei reguläre USB-Anschlüsse vorhanden sind. Zusätzlich zu den USB-Anschlüssen für Speichergeräte gibt es beim Looperboard einen weiteren USB-B-Anschluss, der als USB-Audio-Interface fungiert und zusätzlich für Firmware-Updates verwendet werden kann.

Erweiterbar ist das Looperboard nicht nur über MIDI, sondern auch über einen EXPR-Anschluss (große Klinke), an den sich externe Expression-Pedale anschließen lassen, um darüber diverse Effektstationen innerhalb des Loopers zu bedienen. Ansonsten hat das Gerät noch einen Anschluss für den mitgelieferten 19-V-DC-Adapter. Einen Batteriebetrieb unterstützt das Looperboard nicht, das hätten wir bei einem Gerät dieser Größe und mit Multicore-Prozessor aber auch nicht anders erwartet.

Zusammengefasst gibt es beim Headrush Looperboard also folgende Anschlussmöglichkeiten:

  • 4x XLR-Eingang
  • 4x Klinkeneingang (6,3 mm)
  • 1x Aux-Eingang (kleine Klinke)
  • 2x XLR-Ausgang (1x Stereo oder 2x Mono)
  • 2x Klinkenausgang groß (1x Stereo oder 2x Mono)
  • Kopfhörerausgang (große Klinke)
  • MIDI-Eingang und -Ausgang (Ausgang auch Throughput)
  • SD-Kartenslot
  • 2x USB-Anschluss für USB-Speichergeräte
  • 1x USB-B-Anschluss für USB-Audio-Interface und Firmware
  • 19-V-DC-Stromanschluss

Looper-Funktionalität

Das Looperboard zeigt auf seinem Display bei der Aufnahme alle vier Tracks in einer Timeline an, auf der die Klangwellen dargestellt werden. Zusammen mit weiteren Screens für das Einstellen von Levels und Effekten für die Tracks wirkt die Software fast wie eine rudimentäre Digital Audio Workstation.

Sehr praktisch ist, dass sich jeder Track direkt über jeweils zwei Fußschalter auf dem Gerät ansprechen lässt. Die Fußschalter sind dabei in zwei Reihen angeordnet, und über den Spalten steht die jeweilige Tracknummer. Der obere Fußschalter fungiert hier als Stop- und Undo-Button, während der untere Fußschalter zwischen Aufnahme/Overdub und Wiedergabe wechselt.

Der Looper kann in fünf verschiedene Modi versetzt werden, die sich jeweils darin unterscheiden, wie die Tracks aufgezeichnet werden und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Welcher Modus gerade aktiv ist wird ganz unten rechts im Display angezeigt. Willst du den Modus wechseln, kannst du einfach an diese Stelle im Display tappen. Folgende Modi stehen dir dann zur Verfügung:

  • Fixed Mode: Bei diesem Modus haben alle vier Tracks des Loops dieselbe Länge und werden alle gleichzeitig aufgenommen. Das bietet sich also besonders an, wenn du mehrere Instrumente mit deiner Band auf einmal aufnehmen willst.
  • Serial Mode: In diesem Modus fungieren die vier Tracks als unterschiedliche Parts deines Songs und werden nacheinander abgespielt und dementsprechend auch einzeln aufgenommen.
  • Sync Mode: Im Sync Mode nimmst du zunächst den ersten Track auf, der als Basistrack für deinen Song verwendet wird. Die Länge dieses Tracks wird mit der Länge der übrigen Tracks synchronisiert, sodass jeder Track entweder so lang ist wie der Basistrack oder ein exaktes Vielfaches davon.
  • Serial-Sync Mode: Ähnlich wie der Serial Mode, jedoch mit dem Unterschied, dass der erste Track wie beim Sync Mode als Basistrack verwendet und je nach Länge der übrigen Tracks wiederholt wird.
  • Free Mode: In diesem Modus kannst du im Prinzip komplett frei aufnehmen. Jeder Track kann eine unterschiedliche Länge haben, aber auch zusammen aufgenommen werden.

Der Looper beherrscht darüber hinaus intelligente Quantisierung beziehungsweise Timestretching, damit die einzelnen Aufnahmen zueinander passen. Das Tempo des Songs lässt sich über einen der Fußschalter eingeben. Ein Backingtrack kann ebenfalls eingebunden werden.

Effekte, Routing und sonstige Features

Neben der klassischen Looperfunktionalität gibt es beim Looperboard eine ganze Reihe an mitgelieferten Effekten. Die Effekte sind nach Instrumentenart unterteilt, lassen sich im Prinzip aber für jeden Input verwenden. Die Seite für Effekte erreichst du, indem du auf den FX-Fußschalter drückst. Effekte lassen sich Eingängen oder Tracks zuweisen und werden beim Looperboard als "FX Racks" bezeichnet. Jedes dieser Racks besteht aus einer instrumentenspezifischen Effektkette und kann je nach Bedarf durch Drücken der Fußschalter 1 bis 4 ein- oder ausgeschaltet werden. Klanglich zeigen sich hier unserer Meinung nach leider ein paar Schwächen, weshalb wir die Effekte eher nur zum Üben empfehlen und ansonsten auf externe Effekte setzen würden. Bei einem derart teuren Looper ist das schon etwas bedauerlich.

Besonders gut gefällt uns beim Looperboard hingegen, dass sich Eingänge, Tracks und Ausgänge im Prinzip komplett frei "verkabeln" lassen. Hierfür bietet das Gerät eine eigene Einstellungsseite für das Routing, auf der sich alle entsprechenden Einstellungen vornehmen lassen. Eingänge kannst du per "Dry Send" direkt auf einen Ausgang legen, wenn jegliche Effekte umgangen werden sollen. Auch die Lautstärke und das Panning der Inputs und Tracks lässt sich hier bequem einstellen. Willst du zwei Eingänge oder Tracks zu Stereo verbinden, kannst du einfach auf der linken Seite Eingänge 1+2 sowie 3+4 durch Umlegen des entsprechenden Schalters verbinden. Willst du bestimmte Tracks nur selber über Kopfhörer anhören, während andere Tracks per XLR-Ausgang ausgegeben werden, ist das beim Looperboard auch kein Problem.

Ein weiteres brauchbares Zusatzfeature ist der Backingtrack-Player. Über diesen kannst du wie der Name schon verrät einen Backingtrack abspielen, den du zuvor per USB oder SD-Karte auf der Loop Station verfügbar gemacht hast. Wie mittlerweile bei Loop Stations üblich kannst du deine Gitarre mithilfe eines eingebauten Stimmgeräts stimmen, das du über den Tuner-Fußschalter unten links aktivieren kannst.

Bedienung

Die Bedienung des Looperboards ist unserer Meinung nach besonders aufgrund des großen Touchscreens recht intuitiv. Das Display zeigt viele Informationen auf einmal an, ohne dass du ständig die Ansicht wechseln musst. Willst du Werte auf dem Display verändern, kannst du diese Antippen und danach über den großen Drehregler links einstellen.

Im laufenden Betrieb lässt sich das Looperboard größtenteils mithilfe der zwölf Fußschalter bedienen. Hierbei sind die mit 1 bis 4 beschrifteten acht Fußschalter im Normalfall für die Bedienung der einzelnen Tracks vorgesehen, können aber auch andere Funktionen erfüllen, wenn das Gerät in einen anderen Modus geschaltet wurde, beispielsweise durch das Drücken des Function-Fußtasters. Einen Hinweis darauf, welche Funktion ein Fußschalter erfüllt, liefert der farbige LED-Streifen direkt darüber.

Für die schnelle Lautstärkereglung gibt es oben links auf dem Gerät drei Drehregler. Der erste davon bestimmt die Gesamtlautstärke, der mittlere die Lautstärke des Kopfhörerausgangs und der rechte die Lautstärke des Aux-Eingangs. Rechts neben dem Display gibt es vier weitere Drehregler, über die du die Levels der regulären Eingänge anpassen kannst.

Für ein Gerät mit so vielen Funktionen lässt sich das Looperboard unserer Meinung nach ziemlich einfach bedienen, Headrush hat hier also gute Arbeit geleistet. Die Bedienung des Geräts ist größtenteils intuitiv und fast alle Einstellungsoptionen lassen sich durch ein- oder zweimal Drücken erreichen. Gut gefällt uns auch, dass sich das meiste mit den Fußschaltern bequem im Stehen bedienen lässt.

In Sachen Dokumentation hat Headrush zum Glück trotz der relativ intuitiven Bedienung nicht geschlampt und liefert ein gut verständliches, fast 50 Seiten langes Handbuch mit, das zahlreiche hilfreiche Abbildungen enthält und eigentlich alles erklärt, was du wissen musst. Das einzige, was uns hier etwas fehlt, ist eine tabellarische Übersicht über alle verfügbaren Effekte.

Fazit

Das Looperboard von Headrush ist eine Profi-Loop-Station, bei der für Premium-Features auch ein Premiumpreis verlangt wird. Besonders gut gefällt uns an dem Gerät das große Touch-Display, das so kein anderer von uns bisher getesteten Looper hat. Auch das Vorhandensein von vier unabhängigen Tracks per Loop mit der entsprechenden Ausstattung an physischen Inputs gefällt uns hervorragend. Die zwölf Fußschalter machen die Bedienung des Geräts im Stehen möglich, weshalb sich das Looperboard gut für den Einsatz bei Auftritten eignet. Die Timeline-Ansicht für die Tracks finden wir sehr praktisch und würden uns ähnliches in Zukunft durchaus auch bei zukünftigen Geräten von Mitbewerbern wünschen.

Die Anzahl der Features ist beim Looperboard so groß, dass wir in unserem Erfahrungsbericht unmöglich auf alles im Detail hätten eingehen können und uns daher auf die unserer Meinung nach wichtigsten Funktionalitäten beschränkt haben. Für die über 800 Euro bekommst du beim Looperboard wirklich einiges geboten. Kleinere Schwächen zeigen sich bei dem Gerät von Headrush unserer Meinung nach lediglich bei der Qualität der Gitarreneffekte. Wer viel Wert auf Highend-Sound legt, der dürfte mit den Effekten beim Looperboard alleine eher nicht glücklich werden und sollte zusätzlich die Anschaffung eines guten Multieffektgeräts mit einplanen.

Insgesamt können wir das Looperboard von Headrush Gitarristen empfehlen, für die eine Loop Station das Herzstück ihres Setups darstellen soll und die bereit sind, dafür auch einen relativ üppigen Preis zu bezahlen. Kannst du auf die große Anzahl an Fußschaltern verzichten oder setzt du ohnehin lieber auf zusätzliche MIDI-Hardware, dann solltest du dir auch einmal das Boss RC-505 oder Electro Harmonix 45000 näher ansehen. Willst du hingegen eine absolute Highend-Loop-Station, die sich von Haus aus quasi komplett im Stehen bedienen lässt, dann kannst du mit dem Headrush Looperboard nicht viel verkehrt machen und wirst an dem Gerät wahrscheinlich lange Freude haben.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen subjektiven Erfahrungsbericht. Wir haften nicht für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der angegebenen Informationen auf denen von uns verlinkten Seiten. Bestimmte Inhalte, die auf dieser Website angezeigt werden, stammen von Amazon. Diese Inhalte werden ‚wie besehen‘ bereitgestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.

Autor: Loopstation Team
Veröffentlicht am: 11.10.2021
Zuletzt aktualisiert: 11.10.2021

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